Ammen-Dornfinger Cheiracanthium punctoriumCheiracanthiidae
Verwandtschaft
Cheiracanthium punctorium (Villers, 1789) gehört zur Familie der Dornfingerspinnen (Cheiracanthiidae). Diese Spinnenfamilie zählt weltweit 363 Arten, von denen in Europa 35 bekannt sind. Aus der Gattung Cheiracanthium (Echte Dornfinger) gibt es in Deutschland 12 Arten.
Verbreitung
Der Ammendornfinger ist paläarktisch verbreitet, er kommt von Europa bis Zentralasien vor.
Vorkommen in Deutschland
Der Ammen-Dornfinger scheint sich seit einigen Jahren aus dem Ursprungsgebiet im Mittelmeerraum und den nördlichsten Vorkommen im südlichen Oberrheingebiet nach Norden auszubreiten. Aktuell treten die Spinnen in Deutschland im Südwesten und Westen sowie im Nordosten und inzwischen auch in Südschweden und dem Baltikum häufiger auf. Dazwischen sind noch größere Lücken. Das zeigen die Nachweiskarten der Arachnologischen Gesellschaft deutlich. Eine weitere Ausbreitung wird aufgrund der großen beobachteten Anpassungsfähigkeit, bedingt durch erheblich genetische Differenzierung, erwartet.
Erkennungsmerkmale
Dornfinger der Gattung Cheiracanthium sind von den ähnlichen, hellbraun gefärbten Sackspinnen (Clubionidae) durch das verlängerte erste Beinpaar zu unterscheiden. Innerhalb der Gattung Cheiracanthium sind die Arten selbst an den Genitalien (Taster und Epigyne) nicht leicht zu bestimmen. Der Ammendornfinger (C. punctorium) ist als Männchen an den auffällig verlängerten und gefärbten Kiefern (Cheliceren) und am Kontrast vom orange-rötlichen Vorderkörper zum gelb-grünen Hinterkörper zu erkennen. Die Weibchen sind insgesamt etwas blasser und weniger konstrastreich. Auf dem Hinterleib zeigen sie ein graues, im vorderen Bereich hell begrenztes Herzmal.
Lebensweise
Erwachsene Ammendornfinger können von Juni bis Oktober vorwiegend in ungenutzten Offenlandlebensräumen gefunden werden. Die Spinnen sind aber nachtaktiv, tagsüber ruhen sie meist in kugeligen Gespinsten in hohem Gras oder in Hochstauden. Sie jagen umherstreifend, schleichen sich an ihre Beutetiere heran und überwältigen sie mit einem Giftbiss.
Im Hochsommer bauen die Weibchen auffällige, hühnereigroße Brutgespinste, die mit Grashalmen, Blättern oder Stängeln verwoben sind. Gleich daneben spinnen reife Männchen ihr Ruhegespinst und sobald die Reifehäutung des Weibchens erfolgt ist, durchbricht das Männchen die Wand zwischen den beiden Gespinsten und es kommt zur Paarung. Bald darauf legen die Weibchen ca. 80-300 Eiern in einen Kokon. In diesem Zeitraum werden die Gespinste vom Weibchen sehr vehement/aggressiv verteidigt – wie eine Amme ihre Kinder, was dieser Spinne ihren deutschen Namen eingetragen hat. „Dornfinger“ selbst bezieht sich auf einen langen, dünnen Dorn am Begattungsorgan (Pedipalpus) der Männchen.
Die Dornfinger-Jungspinnen schlüpfen etwa 3-5 Wochen nach der Eiablage im September oder Oktober. Sie verlassen das Gespinst bald und überwintern in kleinen, selbstgesponnenen Gespinsten in Bodennähe.
Auswirkungen auf den Menschen
Ammen-Dornfinger können Menschen beißen, vor allem wenn man versucht, das Tier zu fangen oder sie im Brutgespinst stört. Die versteckte Lebensweise des Ammendornfingers, meist weitab von menschlichen Wohnungen, macht Bisse jedoch sehr selten.
Ein Biss verursacht einen sofortigen stark brennenden Schmerz, der seinen Höhepunkt nach 5-20 Minuten erreicht und für einige Stunden anhalten kann. Die Schmerzintensität wird häufig mit einem Wespenstich verglichen. Der Biss kann auch Symptome wie moderate lokale Anschwellung, Rötung, Juckreiz, Übelkeit und leichtes Fieber auslösen. Nekrotische Hautveränderungen werden nicht verursacht. Bei Bedarf wird eine symptomatische Therapie empfohlen.
Sonstiges
Der Ammen-Dornfinger ist Spinne des Jahres 2023, die Art wurde von einem europäischen Expertenteam von 84 Arachnologen aus 27 Ländern gewählt.
Quellenangabe
- Arachnologische Gesellschaft: https://arages.de/arachnologie-vernetzt/spinne-des-jahres/2023-ammendornfinger
- Arachnologische Gesellschaft e.V. 2022 Atlas der Spinnentiere Europas (Arachnida: Araneae, Opiliones, Pseudoscorpiones, Amblypygi, Solifugae, Scorpiones, Schizomida) für Cheiracanthium punctorium – (link) (06.12.2022)
- Arachnologische Gesellschaft e.V. 2022 Wiki des Spinnen-Forums – (link) (06.12.2022)
- Muster C 2021 Artensteckbrief Ammendornfinger in Rote-Liste-Zentrum. (link) (06.12.2022)




